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Ratgeber · Klang

Wie Klangsynthese funktioniert: von der Zahl zum Ton

Wie aus Zahlenfolgen hörbare Klänge werden – Wellenformen, Hüllkurven, Rauschen und Filter, erklärt an den Klängen dieser Seite.

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Ein digitaler Klang ist eine Zahlenfolge und sonst nichts. Für jede Sekunde stehen bei den Dateien dieser Seite 22.050 Werte bereit, von denen jeder beschreibt, wie weit die Lautsprechermembran in diesem Augenblick ausgelenkt sein soll. Alles, was man hört, ergibt sich aus dem Verlauf dieser Zahlen.

Die Grundbausteine

Der reine Ton ist eine Sinusschwingung: Die Zahlen folgen einer gleichmäßigen Welle, und wie oft diese Welle pro Sekunde durchläuft, ist die Tonhöhe. 440 Durchläufe ergeben den Kammerton a′. Ein Sinus ist der einzige Klang ganz ohne Obertöne und klingt deshalb weich und etwas körperlos.

Andere Wellenformen entstehen, wenn die Zahlen anderen Mustern folgen. Eine Rechteckwelle springt zwischen zwei Werten hin und her und klingt hohl und schneidend – die Wellenform der frühen Spielkonsolen. Ein Sägezahn steigt gleichmäßig an und fällt schlagartig ab; er enthält alle Obertöne und ist der hellste der gängigen Formen. Alle drei sind auf derselben Tonhöhe sofort auseinanderzuhalten, und der Unterschied liegt allein in den Obertönen.

Rauschen ist das Gegenteil von Ordnung: Zufallszahlen ohne jedes Muster. Weil es alle Frequenzen zugleich enthält, hat es keine Tonhöhe. Wie die Energie über die Frequenzen verteilt ist, gibt ihm seine Farbe.

Hüllkurven: warum ein Ton nicht einfach anfängt

Ein Ton, der schlagartig beginnt und schlagartig aufhört, klingt nach Fehler, nicht nach Instrument. Deshalb wird jeder Klang mit einer Hüllkurve multipliziert – einer zweiten Zahlenfolge, die beschreibt, wie laut er zu jedem Zeitpunkt sein soll.

Ein kurzer Anstieg und ein langer Abfall ergeben einen Anschlag, wie bei einem Glockenton. Ein langsamer Anstieg ergibt ein Anschwellen, wie beim sanften Wecker. Dieselbe Wellenform mit zwei verschiedenen Hüllkurven klingt wie zwei verschiedene Instrumente – die Hüllkurve trägt für das Wiedererkennen oft mehr bei als die Tonhöhe.

Filter: etwas wegnehmen, bis es stimmt

Ein Filter lässt bestimmte Frequenzen durch und dämpft andere. Ein Tiefpass nimmt die Höhen weg, ein Hochpass die Tiefen.

Aus Rauschen und einem Tiefpass wird Wind oder ein Lüfter. Setzt man einzelne kurze, gefilterte Impulse darauf, entsteht Regen. Moduliert man die Lautstärke im Achtsekundentakt, entsteht Brandung. Keine dieser Spuren ist aufgenommen – alle drei sind dasselbe Rauschen, nur verschieden geformt.

Was sich gut rechnen lässt und was nicht

Elektronische Klänge lassen sich berechnen, weil sie ohnehin aus Oszillatoren stammen. Ein Acht-Bit-Spielton ist keine Nachbildung des Originals: Er ist dasselbe Verfahren, nur in anderer Hardware. Dasselbe gilt für Rauschen, Impulse, Gleittöne und Schwebungen.

Schwer wird es bei allem, was aus einem physikalischen Körper kommt. Eine menschliche Stimme, eine Geige, ein bestimmtes Automodell – dahinter stehen Vorgänge, die sich zwar modellieren lassen, aber mit einem Aufwand, der in keinem Verhältnis steht, und das Ergebnis klingt nach Synthese. Deshalb fehlen auf dieser Seite Tierstimmen und Sprache: nicht aus Prinzip, sondern weil eine berechnete Katze keine Katze ist.

Warum es sich trotzdem lohnt

Ein berechneter Klang hat drei Eigenschaften, die eine Aufnahme nicht hat. Er ist reproduzierbar: Derselbe Startwert erzeugt dieselbe Datei, Bit für Bit, auch in einem Jahr. Er ist beschreibbar: Zu jedem Ton gehört die Vorschrift, aus der er entsteht, statt der Frage, wer ihn wo aufgenommen hat. Und er gehört niemandem – an einer Rechenvorschrift bestehen keine Rechte wie an einer Aufnahme.

Die letzten beiden hängen zusammen. Wer Material weiterverwendet, trägt das Risiko, dass die Herkunft nicht stimmt. Bei einem berechneten Klang gibt es diese Frage nicht.

Häufige Fragen

Warum 22.050 Werte pro Sekunde und nicht mehr?

Weil sich damit Frequenzen bis etwa 11.000 Hertz darstellen lassen, und darüber liegt bei diesen Klängen praktisch keine Energie mehr. Eine höhere Abtastrate würde die Dateien verdoppeln, ohne dass man etwas hört.

Kann ich die Rechenvorschriften nachlesen?

Ja. Auf der Seite jedes Klangs steht sein Kürzel, und unter diesem Kürzel steht die zugehörige Funktion im Quelltext der Seite. Für die kürzeren Klänge gibt es zusätzlich fertigen Web-Audio-Code zum Kopieren.

Klingt Synthese nicht immer künstlich?

Bei dem Versuch, einen physischen Körper nachzubilden, meistens ja. Bei Rauschen, Impulsen, Gleittönen und Spielkonsolentönen nicht – dort ist die Rechnung nicht die Nachahmung des Originals, sondern dasselbe Verfahren.

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