Ratgeber · Klang
Weißes, rosa oder braunes Rauschen beim Einschlafen
Worin sich die drei Rauschfarben messbar unterscheiden, welche wofür taugt und was man über ihre Wirkung belegen kann und was nicht.
Erschienen
Wer nach Rauschen zum Einschlafen sucht, findet drei Farben und sehr viele Versprechen. Die Unterschiede zwischen den Farben sind physikalisch eindeutig und leicht nachzumessen. Die Versprechen sind es nicht.
Was die drei Farben unterscheidet
Rauschen ist ein Gemisch aus allen Frequenzen gleichzeitig. Wie sich die Energie auf diese Frequenzen verteilt, gibt der Farbe ihren Namen.
Weißes Rauschen verteilt gleich viel Energie auf jede Frequenz. Weil das Gehör hohe Lagen stärker wahrnimmt, klingt es hell und zischend. An der Spur auf dieser Seite gemessen liegt der spektrale Schwerpunkt bei 5.520 Hertz.
Rosa Rauschen nimmt zu den Höhen hin um drei Dezibel je Oktave ab; der Schwerpunkt der hiesigen Spur liegt bei 3.702 Hertz. Es klingt wärmer und entspricht dem, was in der Natur häufig vorkommt: Wind in Bäumen, fließendes Wasser, fernes Meeresrauschen.
Braunes Rauschen fällt mit sechs Dezibel je Oktave doppelt so steil ab und landet bei 978 Hertz. Es klingt tief und voll, ähnlich fernem Donnergrollen. Derselbe Grundtyp, drei völlig verschiedene Eindrücke – und der Unterschied zwischen 978 und 5.520 Hertz ist der eigentliche Grund dafür.
Welche Farbe wofür
Zum Überdecken von Sprache ist weißes Rauschen am wirksamsten, weil Sprache ihre Energie genau in dem Bereich hat, den es gleichmäßig belegt. Im Großraumbüro oder gegen Gespräche durch dünne Wände ist das die erste Wahl – auf Dauer allerdings anstrengend.
Zum Einschlafen greifen die meisten nach einiger Zeit zu braunem oder rosa Rauschen. Beide enthalten weniger hohe Anteile, und hohe Anteile sind es, die über eine Stunde hinweg als spitz empfunden werden. Wer weißes Rauschen nach zehn Minuten wegdreht, sollte nicht aufgeben, sondern die Farbe wechseln.
Zum Konzentrieren eignen sich oft die geformten Spuren besser als die reinen Farben. Regen und Lüfter haben eine leichte innere Bewegung, die den Eindruck von Gleichförmigkeit mildert, ohne dass ein Muster entsteht, dem man zuhören könnte. Brandung ist dafür am wenigsten geeignet, weil der Achtsekundentakt deutlich genug ist, um wahrgenommen zu werden.
Was sich belegen lässt und was nicht
Der Mechanismus, auf dem alles beruht, ist unstrittig: Ein gleichmäßiges Geräusch überdeckt unregelmäßige Geräusche, die sonst aufwecken würden – die Tür im Treppenhaus, das Auto vor dem Fenster. Das nennt sich Maskierung, und es funktioniert nachweislich.
Darüber hinaus wird deutlich mehr behauptet als belegt. Zu rosa Rauschen und Tiefschlafphasen gibt es kleine Studien mit kleinen Gruppen; zu braunem Rauschen und Konzentration bei ADHS gibt es vor allem Videos. Wer eine Seite liest, die eine bestimmte Farbe als erwiesen wirksam gegen ein bestimmtes Problem darstellt, liest Werbung.
Auf dieser Seite werden solche Versprechen bewusst nicht gemacht. Was hier steht, sind die gemessenen Werte der Dateien und die Beschreibung dessen, was man hört.
Praktische Hinweise
Lautstärke: gerade so laut, dass die störende Quelle verschwindet, nicht lauter. Rauschen wirkt am besten deutlich leiser, als man zunächst einstellt, und dauerhafte Beschallung über Kopfhörer bei hoher Lautstärke belastet das Gehör unnötig.
Dauer: Wer die ganze Nacht durchlaufen lässt, sollte das über Lautsprecher tun, nicht über Kopfhörer. Viele Geräte unterbrechen die Wiedergabe ohnehin, wenn der Bildschirm lange aus ist.
Mischen: Zwei Spuren aus verschiedenen Frequenzbereichen ergänzen sich, zwei aus demselben werden matschig. Braunes Rauschen mit leisem Regen darüber ist die Kombination, die am häufigsten funktioniert – das Mischpult hat sie als Voreinstellung.
Häufige Fragen
Welche Farbe ist die beste zum Einschlafen?
Hilft Rauschen bei ADHS?
Warum liegen die Dateien als WAV und nicht als MP3 vor?
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