Ratgeber · Klang
UI-Sounds wählen, die niemanden nerven
Wann ein Oberflächenton hilft, wann er stört, wie laut er sein darf und warum er sich getrennt abschalten lassen muss.
Erschienen
Töne in einer Oberfläche haben eine undankbare Aufgabe: bestätigen, dass etwas passiert ist, und dabei möglichst wenig auffallen. Wer sie zu auffällig gestaltet, erreicht das Gegenteil – der Nutzer schaltet sie ab, und mit ihnen die Hinweise, die er gebraucht hätte.
Die eine Frage, die über jeden Ton entscheidet
Teilt dieser Ton etwas mit, das der Bildschirm nicht schon zeigt?
Ein Knopf, der sich sichtbar drückt, braucht keinen Klang dazu – das Auge hat die Rückmeldung bereits. Ein Vorgang, der im Hintergrund abgeschlossen wird, während der Blick woanders liegt, braucht ihn sehr wohl. Dasselbe gilt für ein Gerät ohne Bildschirm und für eine Eingabe, bei der man auf die Tastatur sieht statt auf die Anzeige.
Wer diese Frage bei jedem geplanten Ton stellt, streicht in der Regel die Hälfte – und die verbleibende Hälfte wird dadurch wirksamer, weil sie nicht mehr im Grundrauschen der eigenen Oberfläche untergeht.
Drei Töne reichen fast immer
Mehr als drei unterscheidbare Oberflächentöne merkt sich im Alltag kaum jemand. Die drei, die tragen:
- Bestätigung – etwas ist gelungen. Zwei steigende Töne.
- Abbruch – etwas wurde zurückgenommen. Zwei fallende.
- Fehler – etwas ist schiefgegangen. Tiefer, wiederholt.
Die Richtung der Tonfolge ist dabei der eigentliche Träger der Bedeutung, nicht die Tonhöhe. Steigend wird als offen und positiv gehört, fallend als abschließend. Das funktioniert ohne Erklärung und über Kulturgrenzen hinweg besser als jede Gestaltungsidee.
Wer mehr Ereignisse unterscheidbar machen will, sollte sie nicht über die Tonhöhe trennen, sondern über das Muster: einzeln gegen doppelt ist zuverlässig zu unterscheiden, 880 Hertz gegen 930 Hertz nicht.
Länge und Lautstärke
Alle Töne der Interface-Gruppe liegen unter einer halben Sekunde, die meisten deutlich darunter. Das ist kein Stilmittel: Die Information steckt im Anfang eines Tons, der Rest ist Ausklang. Ein Oberflächenton, der länger dauert als die Handlung, auf die er sich bezieht, wird als Verzögerung erlebt – selbst wenn technisch nichts wartet.
Bei der Lautstärke gilt: deutlich leiser abmischen als Hinweistöne. Ein Oberflächenton begleitet eine Handlung, die der Nutzer selbst ausgelöst hat, und muss nicht um Aufmerksamkeit werben. Ein Hinweiston dagegen kommt unerwartet und soll auffallen.
Eine häufige Falle ist das Testen: Am Schreibtisch, über gute Lautsprecher, bei voller Aufmerksamkeit klingt ein Ton angenehm, der im Alltag über einen Telefonlautsprecher in einer Jackentasche zu laut oder gar nicht hörbar ist. Beide Enden gehören geprüft.
Abschaltbarkeit ist keine Option, sondern Teil des Entwurfs
Jeder Oberflächenton muss sich abschalten lassen, und zwar getrennt von den Hinweistönen. Wer in einer stillen Umgebung arbeitet, will Klicks loswerden, ohne auch die Meldung über eine eingegangene Nachricht zu verlieren. Eine gemeinsame Schaltfläche für beides führt dazu, dass am Ende alles aus ist.
Ebenso selbstverständlich: Die Einstellung bleibt erhalten. Ein Ton, der nach jedem Update wieder angeht, wird nicht noch einmal abgeschaltet – die Anwendung wird leiser gedreht oder gelöscht.
Die Datei muss gar nicht ausgeliefert werden
Für kurze Oberflächentöne lohnt sich ein Blick auf den anderen Weg: Statt eine WAV- oder MP3-Datei zu laden, lässt sich derselbe Klang im Browser berechnen. Das spart den Netzwerkzugriff, vermeidet die Verzögerung beim allerersten Abspielen und macht die Frage nach Rechten am Material gegenstandslos.
Für die Töne dieser Seite steht der passende Web-Audio-Code auf der Seite des jeweiligen Klangs zum Kopieren bereit – etwa beim Klick, bei der Bestätigung und beim Fehler. Er erzeugt denselben Klang wie die Datei daneben, nur zur Laufzeit statt beim Bau.
Häufige Fragen
Sollte eine Webseite überhaupt Töne abspielen?
Warum startet mein Ton beim ersten Mal nicht?
AudioContext erst nach einer echten Nutzeraktion starten lassen. Der Aufruf gehört in einen Klick-Handler, nicht in den Seitenaufbau. Wird er zu früh angelegt, bleibt er stumm, bis ihn eine Aktion aufweckt.Wie viele Töne verträgt eine Anwendung insgesamt?
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