Tonlabor

Ratgeber · Klang

CC0, Creative Commons und royalty-free: der Unterschied

Was die drei Begriffe tatsächlich bedeuten, worin sie sich unterscheiden und welche Fallen beim Verwenden fremder Audiodateien lauern.

Erschienen

Drei Begriffe tauchen auf fast jeder Seite mit Audiomaterial auf, und sie werden regelmäßig durcheinandergebracht – auch von Anbietern, die es besser wissen müssten. Der Unterschied ist nicht akademisch: Er entscheidet, ob eine Datei in ein verkauftes Produkt darf.

Royalty-free heißt nicht kostenlos

„Royalty-free” sagt nur eines: Für jede weitere Nutzung fallen keine erneuten Gebühren an. Es sagt nichts darüber, ob die Datei beim ersten Mal etwas kostet, und nichts darüber, was man damit tun darf.

Eine royalty-freie Audiodatei kann zwanzig Euro kosten, auf eine bestimmte Anzahl Projekte beschränkt sein, Rundfunknutzung ausschließen und eine Nennung verlangen – und trotzdem korrekt als royalty-free bezeichnet sein. Der Begriff grenzt sich gegen Lizenzmodelle ab, bei denen pro Ausstrahlung oder pro verkaufter Einheit gezahlt wird, mehr nicht.

Die praktische Folge: Bei royalty-free muss man die Lizenz lesen. Immer.

Creative Commons ist eine Familie, kein Zustand

Creative Commons ist kein einzelner Rechtsstand, sondern ein Baukasten aus Bedingungen, die kombiniert werden:

Daraus ergeben sich Lizenzen von sehr offen bis sehr eng. CC BY verlangt nur eine Nennung. CC BY-NC-ND verbietet kommerzielle Nutzung und jede Bearbeitung – damit ist eine Datei für die meisten Projekte unbrauchbar, obwohl sie als „Creative Commons” beworben wird.

Zwei Bedingungen sind dabei besonders tückisch. NC ist unschärfer, als es klingt: Ob ein Video auf einem Kanal mit Werbung kommerziell ist, ob ein Vereinsprojekt mit Sponsor darunterfällt – dazu gibt es keine einfache Antwort. Und SA wirkt ansteckend: Wer eine SA-Datei einbaut, kann gezwungen sein, das Ergebnis unter dieselbe Lizenz zu stellen.

CC0 ist der Verzicht

CC0 ist keine Lizenz im üblichen Sinn, sondern ein möglichst weitgehender Verzicht auf alle Rechte. Der Urheber stellt das Werk so weit wie rechtlich möglich dem Gemeingut gleich. Keine Nennung, keine Einschränkung auf nichtkommerzielle Nutzung, keine Pflicht zur Weitergabe unter gleichen Bedingungen, keine Beschränkung auf bestimmte Medien.

Das ist der einzige der drei Fälle, in dem man eine Datei nehmen und verwenden kann, ohne irgendetwas nachzulesen. Deshalb stehen die Klänge auf dieser Seite unter CC0.

Die Falle, die am meisten kostet

Sie heißt: eine Datei verwenden, die der Anbieter gar nicht vergeben durfte. Sammlungen mit „kostenlosen Sounds” enthalten regelmäßig Material, das anderswo hochgeladen und dort schon falsch deklariert war. Wer es weiterverwendet, haftet selbst – dass man es kostenlos bekommen hat, hilft nicht.

Daran ändert auch eine Lizenzangabe auf der Download-Seite nichts, wenn niemand sagen kann, woher das Material ursprünglich stammt. Die brauchbare Frage ist deshalb nicht „welche Lizenz steht dabei”, sondern „wer hat das erzeugt und lässt sich das nachvollziehen”.

Bei einer Aufnahme ist das schwer zu belegen. Bei einem berechneten Klang nicht: Zu jedem Ton hier gehört die Rechenvorschrift, aus der er entsteht, nachlesbar unter seinem Kürzel im Quelltext. Die Herkunft ist damit prüfbar statt behauptet – und genau das ist der Grund, warum diese Seite nichts sampelt.

Kurz zusammengefasst

BegriffNennung nötig?Gewerblich?Bearbeiten?
royalty-freekommt auf die Lizenz ankommt auf die Lizenz ankommt auf die Lizenz an
CC BYjajaja
CC BY-NC-NDjaneinnein
CC0neinjaja

Häufige Fragen

Muss ich Tonlabor nennen, wenn ich einen Klang verwende?

Nein. CC0 verlangt keine Nennung, und es gibt keine versteckte Bedingung daneben. Eine Nennung ist willkommen, aber nicht erforderlich – auch nicht in verkauften Produkten.

Darf ich die Dateien verändern und weiterverkaufen?

Ja. Verändern, schneiden, in der Tonhöhe verschieben, in eine Sammlung aufnehmen und verkaufen – alles zulässig. Was nicht geht, ist anderen die Nutzung des Originals zu untersagen; CC0-Material lässt sich nicht nachträglich einsperren.

Woran erkenne ich eine unsichere Quelle?

Daran, dass sie zwar eine Lizenz nennt, aber nicht sagt, woher das Material stammt. Eine Sammlung ohne Angabe des Urhebers je Datei ist ein Risiko, unabhängig davon, welche Lizenz darüber steht.

Weitere Texte zum Thema Klang

Alle Ratgeber-Artikel

Nach oben