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Kundenavatar erstellen: wofür er taugt und wofür nicht

Wie ein brauchbarer Kundenavatar entsteht, welche Angaben wirklich etwas bringen und warum die meisten Vorlagen in die Irre führen.

Erschienen · Überarbeitet

Einen Kundenavatar erstellen heißt in den meisten Anleitungen: ein Bild aussuchen, einen Namen vergeben, Alter und Beruf eintragen, Hobbys ergänzen. Das Ergebnis ist eine erfundene Person, mit der sich arbeiten lässt – allerdings nur, wenn die richtigen Dinge darin stehen.

Was ein Kundenavatar leisten soll

Er soll eine einzige Frage beantworten: Für wen schreibe ich das hier? Diese Frage klingt banal und wird in der Praxis dauernd falsch beantwortet, weil Texte unbewusst für Kollegen, für Wettbewerber oder für den Chef geschrieben werden statt für Leser.

Ein Kundenavatar hilft dagegen, weil er eine konkrete Person in den Raum stellt. Wer beim Schreiben jemanden vor Augen hat, formuliert anders – direkter, mit passenderen Beispielen, ohne Fachsprache, die diese Person nicht teilt.

Welche Angaben wirklich etwas bringen

Die üblichen Vorlagen fragen Alter, Wohnort, Familienstand, Einkommen, Hobbys. Davon ist das meiste für die Textarbeit unbrauchbar. Ob jemand gern wandert, ändert nichts daran, wie man ihm eine Rahmenhöhe erklärt.

Nützlich sind vier andere Angaben. Erstens das Vorwissen: Was weiß die Person schon, was muss erklärt werden? Zweitens der Anlass: Warum sucht sie gerade jetzt? Drittens der Zweifel: Was hält sie davon ab, sich zu entscheiden? Viertens die Sprache: Wie nennt sie die Sache, um die es geht?

Besonders der vierte Punkt wird unterschätzt. Wenn Kunden von „Fahrradcomputer” sprechen und der Anbieter von „Radsportelektronik”, gehen beide aneinander vorbei – und zwar genau dort, wo gesucht wird.

Woher die Angaben kommen

Nicht aus der Vorstellung. Ein erfundener Avatar bestätigt das, was man ohnehin dachte.

Brauchbare Quellen sind: die eigenen Suchanfragen in der Search Console, Fragen aus dem Kundendienst, Bewertungen zu vergleichbaren Produkten, Beiträge in Foren. Vier oder fünf echte Gespräche schlagen jede Vorlage.

Wie viele Avatare sinnvoll sind

Einer, höchstens drei. Wer fünf anlegt, hat in Wahrheit keine Auswahl getroffen, sondern den gesamten Markt beschrieben – und schreibt am Ende wieder für alle, also für niemanden.

Bei mehreren Avataren sollte sich für jeden Text sagen lassen, für welchen er geschrieben ist. Lässt sich das nicht sagen, ist die Unterscheidung nicht nützlich.

Der Praxistest

Ein Kundenavatar taugt, wenn er beim Schreiben eine Entscheidung ändert: ein Beispiel wird ausgetauscht, ein Begriff erklärt, ein Absatz gestrichen, weil diese Person ihn nicht braucht.

Ändert er nichts, ist er Dekoration. Dann liegt es meist daran, dass er zu allgemein ist – oder daran, dass er aus der Vorstellung statt aus Beobachtung entstanden ist.

Was danach damit geschieht

Ein Avatar ist kein Dokument für die Ablage, sondern ein Arbeitsmittel. Er gehört dorthin, wo geschrieben wird, und wächst weiter, sobald man etwas Neues über die Leser erfährt.

Nach einem Jahr sieht ein benutzter Avatar anders aus als am Anfang. Das ist kein Zeichen, dass er falsch angelegt war, sondern dass er benutzt wurde.

Häufige Fragen

Welche Angaben sind überflüssig?

Die meisten aus den üblichen Vorlagen: Alter, Wohnort, Familienstand, Hobbys. Für die Textarbeit zählen vier andere – Vorwissen, Anlass der Suche, Zweifel vor der Entscheidung und die Sprache, in der die Person über die Sache spricht.

Wie viele Avatare sind sinnvoll?

Einer, höchstens drei. Bei fünf hat man in Wahrheit keine Auswahl getroffen, sondern den gesamten Markt beschrieben. Lässt sich für einen Text nicht sagen, für welchen Avatar er geschrieben ist, bringt die Unterscheidung nichts.

Woher kommen die Angaben für einen Avatar?

Nicht aus der Vorstellung – ein erfundener Avatar bestätigt nur, was man ohnehin dachte. Brauchbare Quellen sind die eigenen Suchanfragen in der Search Console, Fragen aus dem Kundendienst, Bewertungen zu vergleichbaren Produkten und Beiträge in Foren. Vier oder fünf echte Gespräche schlagen jede Vorlage.

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